Kontrolle ist das Gestaltungswerkzeug der Schwachen und Feiglinge

Kontrolle ist das Gestaltungswerkzeug der Schwachen und Feiglinge

Ob Unternehmer, Führungskraft, Partner, Eltern - wer Kontrolle sucht und ausüben will zur Gestaltung, ist schwach und feige.

Die kraftvolle, flexible und zukunftsweisende Haltung und Methodik ist Selbstbeherrschung. Aus dieser Haltung folgen Respekt und Akzeptanz anderer. So entsteht ein punktuelles Akzeptanzsystem. Der Selbstbeherrschte kann dann - wo stillschweigend, explizit verhandelt oder qua Position bestallt - gestaltend und sicherheitsstiftend herrschen, also Rahmen schaffen, innerhalb derer für die weiteren Mitglieder Freiheit wächst.

Spoiler: Selbstbeherrschung ist anstrengend. Sie ist jedoch auch mutig, sinnstiftend, belohnend.

Wenn Sie nur bis hierher Zeit haben, lieber Leser, meine Bulletpoints für Sie:

  • Begegnen Sie Menschen, die Kontrolle als Gestaltungstool toll finden, meiden Sie sie unter allen Umständen - Ihr Freiheitsgewinn wird beachtlich sein
  • Wagen Sie es, Selbstbeherrschung zu üben und hauen Sie jedes Fitzelchen Zukunftskontrolle in die Tonne - die Resultate werden beeindrucken
  • Akzeptieren Sie die Zukunft, die geschieht und beherrschen Sie sich selbst im Gezeitenstrom der Zeit - Sie werden erfolgreicher und beliebter sein, gar bewunderter

Kontrolle - ein tolles Werkzeug so oft mißbraucht

Angst vor Kontrollverlust ist eine schrecklich destruktive Konstellation. Die Mitarbeiter werden zu Zahlen(lieferanten), der Vorstandskollege zur Bedrohung, wenn er anderer Meinung ist. Den Partner muss ich vermessen und verstehen, damit ich die Beziehung kontrollieren kann und mich selbst? Nichts darf man mir anmerken, nichts!

Kontrollverlust will Zukunft unterdrücken, eine andere als die gewünschte darf nicht stattfinden. Solche Kontrolle führt zu Misstrauen, Stillstand und damit letztlich zu Scheitern.

Selbstbeherrschung schreitet voran inmitten von dem, was passiert. Egal, was passiert. Selbstbeherrschung schafft Wege - für den Betroffenen und andere, die ihm - vielleicht ängstlich, meiner Erfahrung nach immer bereitwillig - folgen.

Polarisierend formuliert:

Kontrolle unterdrückt. Selbstbeherrschung gestaltet.

Die beiden stehen in einem entweder-oder-Verhältnis. Alle anderen Konstruktionsversuche sind romantische Realitätsverweigerung.

Kontrolle wie Selbstbeherrschung sind Werkzeuge.

Es gibt eine gute, sinnvolle Kontrolle - die Überprüfung. Ein Projekt sollte 10.000 EUR Marge bringen und ich mache eine Nachkalkulation, ich kontrolliere das Projekt. Das bringt Erkenntnis, Verbesserung.

Der schwache, ja feige Mensch mißbraucht die Kontrolle und will mit ihr nicht Erkenntnis (Vergangenheitsbezug), sondern die Zukunft kontrollieren, der Zukunft seinen Willen aufzwängen. Die Wahr-Schein-lichkeit soll 100% werden, Sicherheit muss her.

Diese Kontrolle, die dem Irrglauben unterliegt, dass eine umfassend große Kontrolle eine 100%-Wahrscheinlichkeit für die Zukunft bringt, die macht kaputt. Denn sie muss unterdrücken, es darf einfach nichts Unerwartetes geben.

Und eines schönen Tages kommt das völlig Unerwartete. Trotz Selbstkontrolle wird ein anderer befördert, trotz despotischer Befehls- und Loyalitätsmaßnahmen verkennen die Mitarbeiter die Gefährlichkeit der Zukunft und kündigen, trotz liebesbeteuerndem Nachstellen, mit wem jemand sich getroffen hat, ist die Wohnung auf einmal verlassen und die Beziehung vorbei. In der nächsten Sekunde, in der das Kontrollfass einen Riß, ein Loch bekommen hat, drängt all das Vergorene, mittlerweile Verfaulte aus dem System (Team, Unternehmen, Ehe, Eltern-Kind, Selbstbeziehung). Es strömt heraus, es quillt ins Leben - unkontrolliert. Denn die Kontrolle hat ja den Deckel auf etwas gehalten, was eigentlich raus wollte - vorher mit aller Gewalt unterdrückt, jetzt stinkend mitten ins eigene Sein, das ist die Retourkutsche des Lebens: Druck erzeugt Gegendruck.

Auf einmal ist überall stinkende Enttäuschung, qualvoller Liebeskummer, verfaulter Selbstwert - igitt!

Der Fehler? Die Hybris der Kontrolletis ist die Eigenvorstellung, die Zukunft machen zu können, vorhersagen zu können, und zwar, wenn ich nur genug rechne, forsche, rede, behaupte - oder kurzum: die Augen verschließe - vollständig. Was für ein Wahnsinn!
 

Gestatten: Selbstbeherrschung, die

Zukunft findet statt. Immer. Wie? Keine Ahnung.

Der selbstbeherrschte Mensch ist souverän. Er akzeptiert, dass Zukunft passiert. Freiheit ist ohne diese Akzeptanz meiner Erfahrung und Beobachtung nach nicht möglich. Wenn Zukunft passiert, egal was ich tue, kommt eine anstrengende Aufgabe ganz fröhlich um die Ecke: Lerne umzugehen mit dem, was passiert.

Wer führen will, wer ein Unternehmen leiten will, der muss Beherrschung besitzen.

Denn sie ist der Wegbereiter für meine Ziele.

Eine (erfundene) Geschichte zur Verdeutlichung:
 
Ich will von A nach B segeln zum Besuch eines Freundes zum Abendessen im feinen Lokal. Wetter sieht gut aus. Schiff ist top. Ich bin fit. Los geht es. 2 Stunden später: Kurs stimmt, Stimmung ist gut (das Ergebnis positiv konnotierter Kontrolle). Weitere 2 Minuten später: Eine Möwe kackt mir auf das einzige Polohemd und der Fleck ist deutlich sichtbar. Der Tisch im feinen Restaurant und ich bin vollgesch...
Kontrolle: Ich hab die Möwe nicht gesehen was hab ich noch falsch gemacht? Ich muss das absagen, was werden die Leute von mir denken? Stimmung: Null, Ziel: kompromittiert
Selbstbeherrschung: Hmmmm, ok, Notiz an mich selbst: Wechselklamotten nicht vergessen, ich erzähl die Geschichte, da haben die anderen was zu lachen. Garnitur: ein Lächeln. Stimmung: gleich oder besser. Ziel: bestärkt.

 
Wir möchten etwas er-reich-en (im Erreichen steckt reich!), z.B. Verhandlungserfolg, Prozesserfolg, Gewichtsziel, tolle Liebesbeziehung, Umsatzsteigerung, Margensteigerung, Alpenüberquerung, Lebenskonzept.

All das, jedes Ziel liegt.in.der.Zukunft. Also müssen wir für das Ziel da jetzt hin - in.die.Zukunft.

Sie auch! Jeder!! ( der ein Ziel erreichen will)

Wenn Sie als Leistungsträger für dieses Ziel andere Menschen brauchen (F&E, Vertrieb etc.) oder es mit dem geliebten Partner erreichen möchten, haben Sie entscheidenden Einfluss darauf, wie effektiv der Weg zum Ziel beschritten wird. Wo das Ziel liegt? Wissen Sie. Was kann jetzt noch passieren? Genau: die Zukunft, der Besuch von Herrn Zufall (ein lieber Freund jeden Anwalts).

Ihre Verantwortung ist es, dafür zu sorgen, dass der Zufall so wenig wie möglich störend auf den Weg zum Ziel einwirkt. Das gelingt Ihnen umso besser, umso mehr Situationen Sie beherrschen. Durch Beherrschung können Sie unter dem schierem Geschehen den weiteren Verlauf der Dinge, also den Umgang mit der Situation beeinflussen und damit Ihre Zielerreichung aufrechterhalten, beschützen, be-sorg-en.

Kann ich etwas ändern? Nein? Nicht weiter damit befassen. Ja? Was ist angemessen, was sinnvoll, was ist der Preis. Ihre Entscheidung, Ihre Verantwortung.

Dass und warum diese Entscheidungen zwar gemeinsam vorbereitet, aber niemals gemeinsam verantwortet werden, werde ich an anderer Stelle beleuchten.

Hier ist mir wichtig zu verdeutlichen, das Selbstbeherrschung kein Selbstzweck, sondern Garant dafür ist, dass meine Ziele lebhaft, erreichbar bleiben.
 
Natürlich wollte ich das Leben, das ich heute nach 21 Jahren Zielverfolgung führen darf, damals mit meiner ersten Frau leben. Die Scheidung hat die Frage hervorgebracht: Ist das Ziel ohne sie noch attraktiv? Ja. Also? Na, weiter. Anderer Weg, anderes Team (lange Strecken auch nur ich mit mir), gleiches Ziel.

Wer Leistungsträger ist, muss die Einsamkeit der Entscheidung aushalten, Selbstbeherrschung lernen. Das 'muss' ist ein Beschrieb, keine Forderung.
 
Wer die Elbe befährt, muss mit Ebbe und Flut (muss) klarkommen (Beherrschung von Schiff und Mann) - isso.

Unter Stress nichts Dummes sagen (Winterkorn), nicht aus Machtgeilheit populistischen Verlockungen anheimfallen (Kabinett), nicht aus Narzissmus andere ausbeuten auf Kosten des Unternehmens (Unternehmensverantwortlicher), nicht aus Angst Freiheit unterdrücken durch Überversorgung (Eltern) - all das gelingt mit Selbstberrschung. Die kann man lernen, und gerade hier gilt mein Leitsatz: Vor leicht kommt immer schwer.

Wenn Sie Lust, Notwendigkeit oder Sinnhaftigkeit für sich sehen, die Selbstbeherrschung zu erlernen, zu prüfen und zu verbessern - ich freu mich, Sie zu trainieren.

Zum Eigengebrauch für Sie meine Basiszutaten für die aktive Verbesserung der Selbstbeherrschung: Konflikt suchen, Anerkennung vermeiden, Schmerz umarmen. Viel Spass damit!